Aushangpflicht im Gastgewerbe
72 relevante Vorschriften in Gastronomie und Hotellerie: 8 Pflicht-Aushänge, 32 branchenspezifische Vorschriften und 32 empfohlene Gesetze. Mit „bedingt“ markierte Einträge greifen abhängig von Betriebsstruktur und Beschäftigten. Wo eine Detailseite existiert, führt der Eintrag direkt zum Gesetz.
Pflicht-Aushänge in Gastronomie und Hotellerie
Diese Gesetze schreibt der Gesetzgeber vor. Mit „bedingt“ markierte Pflichten greifen ab bestimmten Schwellen, etwa nach Zahl oder Kreis der Beschäftigten.
- AGGAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz
- ArbGGArbeitsgerichtsgesetz
- ArbZGArbeitszeitgesetz
- DGUV V1DGUV Vorschrift 1
- DGUV V3DGUV Vorschrift 3bedingt
- JArbSchGJugendarbeitsschutzgesetzbedingt
- JuSchGJugendschutzgesetz
- MuSchGMutterschutzgesetzbedingt
Branchenspezifische Vorschriften im Gastgewerbe
Vorschriften, die speziell in Gastronomie und Hotellerie relevant sind: von DGUV-Vorschriften bis Fachrecht.
- ArbMedVVVerordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
- AÜGArbeitnehmerüberlassungsgesetzbedingt
- BbgNiRSchGBrandenburgisches Nichtrauchendenschutzgesetzbedingt
- BBiGBerufsbildungsgesetzbedingt
- BetrSichVBetriebssicherheitsverordnung
- BFDGBundesfreiwilligendienstgesetzbedingt
- BioStoffVBiostoffverordnungbedingt
- BremNiSchGBremisches Nichtraucherschutzgesetzbedingt
- GastGGaststättengesetz Bund
- GefStoffVGefahrstoffverordnungbedingt
- HessNRSGHessisches Nichtraucherschutzgesetzbedingt
- HmbPSchGHamburgisches Passivraucherschutzgesetzbedingt
- IfSGInfektionsschutzgesetz
- JFDGJugendfreiwilligendienstegesetzbedingt
- LärmVibrationsArbSchVLärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnungbedingt
- LasthandhabVLastenhandhabungsverordnungbedingt
- LMHVLebensmittelhygiene-Verordnung
- LMIDVLebensmittelinformations-Durchführungsverordnung
- LMIVEU-Lebensmittelinformations-Verordnung
- LNRSchGLandesnichtraucherschutzgesetzbedingt
- Nds. NiRSGNiedersächsisches Nichtraucherschutzgesetzbedingt
- NiSchG NRWNichtraucherschutzgesetz Nordrhein-Westfalenbedingt
- NRauchSchG SLNichtraucherschutzgesetz Saarlandbedingt
- NRauchSchG STNichtraucherschutzgesetz Sachsen-Anhaltbedingt
- NRSchG M-VNichtraucherschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommernbedingt
- NRSG BEBerliner Nichtraucherschutzgesetzbedingt
- NRSG RPNichtraucherschutzgesetz Rheinland-Pfalzbedingt
- PAngVPreisangabenverordnung
- PSA-BVPSA-Benutzungsverordnungbedingt
- SächsNSGSächsisches Nichtraucherschutzgesetzbedingt
- SpielVSpielverordnungbedingt
- ThürNRSchutzGThüringer Nichtraucherschutzgesetzbedingt
Empfohlene Aushänge in Gastronomie und Hotellerie
Nicht zwingend aushangpflichtig, aber bewährte Praxis für einen vollständigen digitalen Aushang.
- 5. VermBGFünftes Vermögensbildungsgesetzbedingt
- ArbSchGArbeitsschutzgesetz
- ArbStättVArbeitsstättenverordnung
- ASiGArbeitssicherheitsgesetz
- BDSGBundesdatenschutzgesetz
- BEEGBundeselterngeld- und Elternzeitgesetz
- BetrVGBetriebsverfassungsgesetz
- BGBBürgerliches Gesetzbuch
- BKVBerufskrankheiten-Verordnung
- BUrlGBundesurlaubsgesetz
- DGUV V2DGUV Vorschrift 2
- DSGVOEU-Datenschutz-Grundverordnung
- EFZGEntgeltfortzahlungsgesetz
- EntgTranspGEntgelttransparenzgesetzbedingt
- FPfZGFamilienpflegezeitgesetz
- GeschGehGGeschäftsgeheimnisgesetz
- GSGGesundheitsschutzgesetz Bayern (Nichtraucherschutz)bedingt
- HAGHeimarbeitsgesetz
- HinSchGHinweisgeberschutzgesetzbedingt
- KindArbSchVKinderarbeitsschutzverordnung
- KSchGKündigungsschutzgesetz
- MiLoGMindestlohngesetz
- MiLoV5Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung
- NachwGNachweisgesetz
- NRauchSchG SHNichtraucherschutzgesetz Schleswig-Holsteinbedingt
- PflegeZGPflegezeitgesetz
- SGB IXNeuntes Buch Sozialgesetzbuch
- SGB VIISiebtes Buch Sozialgesetzbuch
- TrinkwVTrinkwasserverordnung
- TVGTarifvertragsgesetz
- TzBfGTeilzeit- und Befristungsgesetz
- VO 852/2004EU-Lebensmittelhygiene-Verordnung (EG) Nr. 852/2004
Branchen-Besonderheiten
Warum die Aushangpflicht in der Gastronomie anders gelagert ist als in einem typischen Büroteam:
- Früh-, Spät- und Nachtschicht über Küche, Service, Bar, Rezeption und Housekeeping verteilt, ein Aushang im Backoffice oder Personalraum erreicht längst nicht jede Schicht und jede Tätigkeit.
- Saison-, Aushilfs- und Minijobkräfte mit hoher Fluktuation: Die aushangpflichtigen Gesetze müssen für jede neue Kraft ab dem ersten Arbeitstag verfügbar und aktuell sein, Papier in einem Ordner leistet das nicht.
- Kaum jemand in Service oder Küche hat einen festen PC-Arbeitsplatz. Seit dem 1. Januar 2025 erlaubt § 16 ArbZG die rein digitale Bereitstellung, aber nur, wenn wirklich jeder über das eigene Gerät jederzeit ungehindert zugreifen kann.
- Hotelketten, Systemgastronomie und Betriebe mit mehreren Outlets müssen die Aushänge an jedem Standort vollständig und aktuell vorhalten, eine zentrale digitale Quelle hält alle Häuser auf einem Stand.
- Der Jugendschutz-Aushang nach § 3 JuSchG bleibt als kundengerichteter Aushang im Gastraum physisch Pflicht; die Mitarbeiter-Pflichtaushänge lassen sich digital lösen. Beide Ebenen sauber zu trennen, verhindert Lücken bei der Begehung.
- Die Belehrung nach § 43 IfSG ist Pflicht, aber kein Selbstläufer: Ein digitales Portal mit Kenntnisnahme-Funktion liefert Aushang und nachweisbare Dokumentation in einem Schritt.
In kaum einer anderen Branche treffen so viele Pflichtaushänge auf so wenig planbare Bürozeit. Küche, Service, Bar, Rezeption und Housekeeping arbeiten verteilt über Früh-, Spät- und Nachtschicht, ergänzt um Saison-, Aushilfs- und Minijobkräfte mit hoher Fluktuation. Der klassische Papieraushang im Backoffice ist genau für diese Konstellation gebaut worden, und scheitert genau an ihr.
Warum die Gastronomie eine Sonderlage hat
Drei Punkte heben Gastronomie- und Hotelbetriebe vom Standard-Büro ab:
- Schichten und Verteilung statt Kernzeit. Wer früh die Küche öffnet, wer nachts an der Bar steht, wer im Housekeeping über mehrere Etagen arbeitet: Ein einzelner Aushang im Personalraum erreicht diese Menschen nicht zuverlässig. Die Pflicht verlangt aber, dass jeder jederzeit Zugriff hat.
- Personalstruktur mit ständigem Wechsel. Saison- und Aushilfskräfte sowie Auszubildende unter 18 sind im Gastgewerbe die Regel, nicht die Ausnahme. Damit greift das Jugendarbeitsschutzgesetz faktisch immer, und die Aushänge müssen für jede neue Kraft ab dem ersten Tag verfügbar und aktuell sein.
- Zwei Aushang-Ebenen gleichzeitig. Neben den Pflichtaushängen für das Personal verlangt § 3 JuSchG einen kundengerichteten Jugendschutz-Aushang im Gastraum. Beide Ebenen werden gern verwechselt, mit Lücken bei der nächsten Begehung.
Was ein Gastro- oder Hotelbetrieb konkret aushängen muss
Die Gesetzesübersicht oben zeigt alle relevanten Vorschriften: die Pflicht-Aushänge ab dem ersten Mitarbeiter samt bewährtem Basis-Paket, strukturabhängige Vorschriften (Jugendarbeitsschutz und Mutterschutz greifen in der Praxis fast immer mit) und branchenspezifische Normen aus Jugendschutz-, Infektionsschutz-, Gefahrstoff- und Lebensmittelrecht.
Eine Besonderheit: Seit dem 1. Januar 2025 erlaubt § 16 ArbZG die rein digitale Bereitstellung der aushangpflichtigen Gesetze ausdrücklich, Voraussetzung ist, dass alle Beschäftigten jederzeit ungehindert auf die aktuelle Fassung zugreifen können. Zwei Dinge bleiben davon unberührt: Der Jugendschutz-Aushang nach § 3 JuSchG im Gastraum ist kundengerichtet und weiterhin physisch sichtbar anzubringen, und Flucht- und Rettungspläne zählen zur betrieblichen Gefahrenabwehr und müssen ebenfalls vor Ort sichtbar ausgehängt werden.
Was Gastronomie- und Hotelbetriebe dabei häufig übersehen
- Die Aushilfs- und Saisonkette. Die häufigste Lücke sind kurzfristig beschäftigte Aushilfen und Saisonkräfte, sie sind selten in den Papier- Routinen mitgedacht. Über ein digitales Portal mit Mitarbeitenden-Login sind sie ab Tag eins informiert.
- Belehrung ist nicht gleich Nachweis. § 43 IfSG verlangt die Belehrung vor Tätigkeitsaufnahme und die Folgebelehrung alle zwei Jahre, die Dokumentation liegt beim Arbeitgeber. Ein Aushang allein ist kein Nachweis; ein Portal mit Kenntnisnahme-Funktion liefert beides in einem Schritt.
- Mehrere Häuser, eine Aktualität. Wer mehrere Standorte oder Outlets betreibt, muss überall die aktuelle Fassung vorhalten. Eine zentrale digitale Quelle spielt Gesetzesänderungen mit einem Schritt an alle Häuser aus, statt jeden Ordner einzeln nachzuziehen.
Bußgeld & Aufsicht
Was kosten fehlende Aushänge?
Verstöße werden normbezogen geahndet. Beim Jugendschutzgesetz reicht der Rahmen nach § 28 JuSchG bis zu 50.000 €, und ein fehlender oder veralteter Jugendschutz-Aushang kann bis zum Widerruf der Gaststättenerlaubnis führen. Verstöße gegen die Schutzvorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes werden mit bis zu 30.000 € geahndet, die Aushangtatbestände selbst seit 2025 mit bis zu 5.000 €. Fehlende Belehrungen nach § 43 IfSG sind eigenständige Ordnungswidrigkeiten. Geprüft wird von gleich mehreren Stellen: Gewerbe- und Arbeitsschutzaufsicht, Lebensmittelüberwachung, Ordnungsamt (Jugendschutz) und, beim Mindestlohn, der Zoll.
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3-4 weitere Aushänge hängen von Ihrer konkreten Betriebsstruktur ab (Mitarbeiterzahl, Auszubildende, beschäftigte Frauen, Gefahrstoffe). Wir übergeben die Branche Gastronomie direkt an unseren Aushang-Assistenten, dort beantworten Sie wenige Fragen und erhalten Ihre individuelle, sofort umsetzbare Liste.
Aushang-Liste für Gastronomie erstellenHäufige Fragen aus der Gastronomie
Zu den Pflicht-Aushängen ab dem ersten Mitarbeiter (ArbZG, AGG samt § 61b ArbGG, DGUV Vorschrift 1) und dem bewährten Basis-Paket (ArbSchG, MiLoG, BUrlG, EFZG, ASiG) kommen im Gastgewerbe faktisch immer das Jugendarbeitsschutzgesetz (Azubis, Saison- und Aushilfskräfte unter 18) und, bei entsprechendem Personalbestand, das Mutterschutzgesetz hinzu. Branchen-typisch sind außerdem § 43 IfSG (Belehrung für alle mit Lebensmittelkontakt), die Gefahrstoffverordnung (Reinigungs- und Spülchemie) sowie der Jugendschutz-Aushang nach § 3 JuSchG im Gastraum. Die Allergenkennzeichnung nach LMIV ist eine separate, gästegerichtete Informationspflicht.


